| Geschichte: | Im Mai 1985 gründeten die drei Söhne von Tony Ryan, Präsident der Leasingfirma Guiness Peat Aviation (GPA) unter dem Namen Ryanair eine kleine irische Fluglinie, die im Juli mit Waterford – London Gatwick ihre erste Route aufnahm. Zum Einsatz kam damals eine kleine zweimotorige EMB-110 Bandeirante des brasilianischen Herstellers Embraer. Noch zum Jahresende wurde der Luftverkehr zwischen Irland und Großbritannien dereguliert und Ryanair konnte fortan ohne Kostenbeschränkungen operieren. Auf der nun eröffneten Route Dublin – London Luton durfte man allerdings nur maximal 50-sitzige Flugzeuge einsetzen. Daher wählte Ryanair die britische HS.748 als künftiges Flottenmuster aus. Der Erfolg der Route war enorm, was vor allem darauf zurückzuführen war, dass man um bis zu 50 % günstigere Tarife anbot. Nach harten Verhandlungen wurden noch im Dezember 1985 Jets in Form von BAC 1-11-500 genehmigt. Gleichzeitig stieg man mit 85 % bei der seit Februar 1985 stillgelegten London European Airways ein. Deren Liniendienste nach Amsterdam und Brüssel lebten zum April 1987 als Ryanair European nochmals kurzzeitig auf. Zudem gab es Pauschalflüge in Richtung Mittelmeer. Die Mutter konzentrierte sich jedoch auf Flüge zwischen Irland und Großbritannien, die vom Flag-Carrier Aer Lingus nicht angeboten wurden. So wurden innerhalb von zwei Jahren zahlreiche Routen ab Dublin, Cork, Knock und Waterford aufgelegt. Umzug nach London-Stansted 1989 erhielt Ryanair zeitlich befristete Exklusivrechte für Routen zwischen Irland und London-Stansted sowie zwischen irischen Provinzflughäfen und dem europäischen Festland. Die irische Regierung wollte dadurch die staatliche Aer Lingus vor dem Newcomer schützen. Derart abgesichert orderte Ryanair ATR42/72 und übernahm weitere BAC 1-11. Ein weiterer wichtiger Schritt war 1991 der Umzug von London-Luton nach Stansted, denn dieser Airport war wesentlich moderner. Außerdem hatte man mit Air UK eine Kooperation vereinbart. Die Ryanair-Passagiere konnten in Stansted bequem die Anschlussflüge der Air UK in Richtung Kontinentaleuropa erreichen. Die Maßnahmen zahlten sich aus, denn am Ende des Geschäftsjahres hatte Ryanair erstmals seit Gründung einen Gewinn eingeflogen. Die Boeing 737 kommt 1992 bestand die Flotte fast ausschließlich aus BAC 1-11 – die ATRs waren weitestgehend verdrängt, auch weil das Routennetz permanent überarbeitet wurde und der Zustrom an One-Elevens nicht abriss. Doch 1994 schwenkte Ryanair radikal auf Boeing 737-200 um. Die von europäischen Airlines abgestoßenen Maschinen waren zwar schon ziemlich alt, aber sie waren für Landungen unter Schlechtwetterbedingungen zugelassen –ein wichtiges Kriterium für irische und britische Flughäfen. Mit Übernahme der Maschinen wurde auch eine neue Bemalung eingeführt und die seit 1992 als Logo verwendete Brian-Boru-Harfe erschien nun in gelb auf blauem Grund. Das Streckennetz in Richtung Großbritannien wurde abermals überarbeitet und ausgedünnt. Lieber flog Ryanair die verbliebenen Strecken häufiger und billiger. Ab 1995 ermöglichte ein neues EU-Gesetz auch innerbritische Flüge, bevor 1997 auch Flüge ab Großbritannien zu Drittländern möglich wurden. Das war der Startschuss einer bis heute anhaltenden Expansion. Auf nach Europa Die erste Route führte im April 1997 nach Skavsta, welches als Stockholm vermarktet wurde. Dieses Konzept, der Anflug kleiner Provinzflughäfen in der Peripherie von Ballungszentren, verfolgt Ryanair bis heute. In kurzem Abstand folgten Charleroi (Brüssel), Beauvais (Paris), Rimini, Pisa, St.Etienne und Carcassone. Um die Expansion weiter vorantreiben zu können orderte der Billigflieger 1998 25 Boeing 737-800 und konnte so schon bald weitere Europaziele bedienen. Genauso wichtig war aber auch das im Jahre 2000 eingeführte Buchungsportal ryanair.com, welches den Ticketvertrieb über Reisebüros überflüssig machte. Charleroi wurde ein Jahr später das erste Ryanair-Drehkreuz auf dem europäischen Festland – Frankfurt-Hahn folgte als vierte Niederlassung zum Februar 2002. Nun setzte Lufthansa ihre Anwälte wegen unlauteren Wettbewerbs in Bewegung, doch letztlich profitierte Ryanair, denn ihr Bekanntheitsgrad stieg enorm. Weitere 100 Boeing 737-800 wurden für den nächsten Entwicklungssprung geordert. Neue Konkurrenz Ab 2000 begannen aber auch die etablierten Airlines auf die neue Billigfliegerkonkurrenz zu reagieren. Airlines wie germanwings, Hapag-Lloyd Express, buzz und Volareweb wurden ins Rennen geschickt, um verlorenes Terrain rückzuerobern. Doch vielen war kein langes Leben beschieden. So verleibte sich easyJet den British Airways-Ableger go fly ein, während Ryanair 2003 die aus der KLM uk hervorgegangene buzz schluckte, um den Anschluss zu easyJet nicht zu verlieren. Mit den permanent zufließenden neuen Boeings eröffnet Ryanair eine Route nach der anderen, steigert Frequenzen und eröffnet Drehkreuze. Mittlerweile hat sich aber die Klientel verändert. Waren es anfangs hauptsächlich Touristen, fliegen heute immer mehr Geschäftsleute aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Billigflieger reagieren darauf und bieten, natürlich gegen Aufpreis, Annhemlichkeiten, die man bislang nur von Full-Service-Airlines kannte: Quick Check-In, Flextarife, Loungebereiche. Auch Ryanair überlegt nun, vielleicht doch die großen Flughäfen anzufliegen, um dieser Klientel die notwendigen interkontinentalen Anschlussflüge bieten zu können. Und vielleicht gibt es ja bald auch Ryanair-Langstreckenflüge, denn Konkurrent Air Berlin, mittlerweile die Nummer 3 in Stansted, kann genau das bald durch die einverleibte LTU bieten. |