| Geschichte: | Aer Lingus, der Name leitet sich vom irischen Aer Loingas (Luftflotte) ab, wurde am 22. Mai 1936 unter dem Namen Aer Lingus Teoranta gegründet. Der Flugbetrieb lief fünf Tage später auf der Route Dublin/Baldon – Bristol mit einer DeHavilland Dragon an. Schon bald flog man auch nach Isle of Man, Croydon und Liverpool. 1937 schuf die irische Regierung die Dachgesellschaft Aer Rianta, die nun für Aer Lingus zuständig war. Zuvor hatte nämlich die britische Blackpool and West Coast Airways Unterstützung gewährt. Derart bestärkt aktualisierte Aer Lingus ihre Flotte durch schnellere Muster wie Dragon Rapide, Lockheed 14 und Douglas DC-3. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hemmte die weitere Entwicklung. So musste auch der London-Kurs bis Herbst 1945 ausgesetzt werden. Britische Teilhaber Die Regierungen Irlands und Großbritanniens verständigten sich 1946 darauf, dass einzig Aer Lingus für 10 Jahre die Linienflüge zwischen beiden Ländern übernimmt. Im Gegenzug wurde den britischen Airlines BEA und BOAC eine Beteiligung von 30 % bzw. 10 % an Aer Lingus gewährt. Die irische Airline verdichtete nun ihre Dienste zwischen den Staaten, begann aber auch, Flüge nach Kontinentaleuropa aufzulegen z.B. nach Paris, Amsterdam, Brüssel und Rom. Flogen hier zunächst DC-3, kamen ab den 1950er Jahren Vickers Viscount 700 zum Einsatz. 1956 lief das irisch-britische Abkommen aus und die Briten senkten ihre Beteiligung an Aer Lingus auf 10 %. Nun durften auch britische Airlines zwischen beiden Ländern im Liniendienst operieren. Als Gegenleistung räumte man der Aer Lingus Routenrechte zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa ein, die diese mit Viscount 800 auch recht zeitnah aufnahm z.B. von Manchester nach Düsseldorf, Frankfurt, Zürich und Rom. Nordatlantikflüge und Fusion Für US-Routen nach Boston und New York schuf Aer Rianta bereits 1947 die Aerlinte Eireann Teoranta. Nach einigen Testflügen mit Lockheed L-749 verlief das Projekt aber im Sande. 1953 gab es einen weiteren Anlauf, aber erst 1958 flog eine Super-Constellation regelmäßig über den Nordatlantik. Aer Rianta verschmolz zum 1. Januar 1960 ihre beiden Töchter Aer Lingus Teoranta und Aerlinte Eireann Teoranta zur Aer Lingus – Irish International Airlines. Noch im gleichen Jahr trafen mit Boeing 720 die ersten Jets ein, die von Dublin und Shannon nach New York flogen. Auf den Europarouten setzte Aer Lingus ab 1965 erste Jets ein. Doch die 74-sitzige BAC 1-11 erwies sich schnell als zu klein und wurde durch Boeing 737-200 ersetzt. Als neue Ziele kamen 1967 München und Madrid hinzu. Im Übersee-Netz waren Montreal und Chicago zu finden, die mit der größeren Boeing 707-320C nonstop bedient wurden, bis sie 1971 den ersten Boeing 747-100 Jumbo-Jet wichen. Töchter in ganz Europa In den 1970er Jahren konzentrierten sich die Iren auf den weiteren Ausbau der Europadienste. Nachfrageschwächere Regionalrouten übernahm die 1984 gegründete Aer Lingus Commuter. Sie flog zunächst mit Shorts 360, die schon bald durch Saab 340, Fokker 50 und letztlich BAe 146 ersetzt wurden. 2001 wurde sie in den Mutterkonzern integriert. In sonnigeren Gefilden wurde 1989 die Futura mit Sitz Mallorca gegründet. Aer Lingus war hier mit 25 % beteiligt, steigerte diesen Wert aber zwischenzeitlich auf 85 %. Heute liegt er bei 20 %. Auch die Türkei ist bei den Iren ein beliebtes Ziel und so wurde dort 1984 die Tochter Pegasus Airlines gegründet. Neue Flotte, frische Farben Inzwischen war eine umfangreiche Flottenerneuerung angelaufen, denn die Boeing 737-200 waren teils schon seit 20 Jahren unterwegs. Aer Lingus blieb Boeing treu und orderte die 2. Generation des Bestsellers 737. Die modernisierte Flotte sollte die Europaexpansion vorantreiben, doch der erste Golfkrieg vereitelte dies. Es folgten Routenstreichungen und Flottenstillegungen. Letztlich sprang die Regierung mit einer Finanzspritze ein. Aer Lingus schaffte 1994 drei Airbus A330-300 an, um die betagten 747-100 abzulösen; zwischenzeitlich angemietete Boeing 767 und Lockheed TriStar konnten keine Dauerlösung sein. Als die Langstrecken-Airbusse 1996 eintrafen, zeigten sie das überarbeitete, frische Farbkleid. Nun entschlossen sich die Iren, auch die Europaflotte auf Airbusse umzustellen und orderten A320/321, die ab 1998 eintrafen. Ryanair greift nach Aer Lingus Die Anschläge vom 11. September 2001 setzten auch Aer Lingus hart zu. Die Nachfrage brach ein, Routen wurden gestrichen und Personal entlassen. Beim anschließenden Neuaufbau der Europadienste setzte Aer Lingus verstärkt auf das erfolgreiche Low-cost-Geschäftsmodell. Im September 2006 wurde die Nationalairline an die Börse gebracht und sofort versuchte Ryanair, die Aer Lingus zu übernehmen. Die irische Regierung, die 28 % der Anteile hält, lehnte das feindliche Angebot ab und auch die EU-Wettbewerbskommission untersagte im Juni 2007 dieses Vorhaben. |